Geländereiten: Die besten Übungen für ein fittes Pferd – Teil 4: Ausreiten und Training im Gelände

 

In diesem Teil der Serie „Übungen für ein fittes Pferd“ widmen wir uns dem Reiten im Gelände. Wie immer findet hier hier… 

 

Wissenswertes und Trainingstipps für mehr Spaß und sinnvolle Gymnastizierung 

Wir beleuchten Fragen wie:

  • Warum ist das Geländereiten ein super Training für Pferde?
  • Welche Dinge lassen sich im Gelände gut trainieren?
  • Welchen Trainingseffekt bringen verschiedene Böden, Steigung und Gefälle sowie Geländehindernisse?
  • Welche Voraussetzungen gelten für Reiter und Pferd, um sinnvoll und sicher auszureiten?
  • Wie und ab welchem Alter führt man ein junges Pferd ans Ausreiten heran?
  • und natürlich: Was sind die besten Lektionen und Übungen im Gelände?

⚜️ Die besten Übungen für ein fittes Pferd ⚜️

 

Teil 4: Reiten im Gelände

 

Das Reiten im Gelände bietet eine natürliche und effektive Möglichkeit für das Training von Pferden. Es geht dabei weit über das einfache Spazierenreiten oder Konditionstraining hinaus, da nahezu jedes Gelände Möglichkeiten zur Ausbildung bietet. Pferde jeden Alters können besonders von Ausritten profitieren. 

 

Die Ausbildung eines jeden Reitpferdes verfolgt das Ziel einer pferdefreundlichen Gymnastizierung. Die Pferdes sollen zum freudigen Mitmachen erzogen werden, Kraft aufbauen und ihre Gelenke geschmeidiger gemacht werden,

…um nur einige Aspekte zu nennen. Ein wesentlicher Teil fällt dabei in das Gebiet der Muskelschulung. Hierfür kann die Arbeit im Gelände eine wertvolle Unterstützung sein.

 

Gelände-Training ist für Pferde jeden Altes sinnvoll

Besonders für junge Pferde bietet das Geländereiten viele Vorteile, da sie dabei ganz spielerisch lernen, sich unter dem Reiter auszubalancieren. Auf geraden Strecken im Gelände fällt dies leichter als in der Reitbahn mit ständigen Kurven. Das Auf und Ab im Gelände fördert die Entwicklung der ersten Muskeln, ohne den Pferdekörper zu überlasten. Auch für die Psyche ist Ausreiten eine Wohltat, so dass Pferde aller Ausbildungsstufen im Gelände eine gesteigerte Zufriedenheit zeigen. Gerade Pferde, deren Entwicklung auf dem Platz oder in der Halle stagniert, profitieren oft von einer mehr oder weniger langen „Auszeit“ im Gelände.

 

Die unterschiedlichen Geländeformen und Bodenbedingungen im Wald und auf Wiesen sind vorteilhaft für Pferde jeden Alters und Ausbildungsstands. Der Boden, mal weich, mal hart, fördert Gleichgewicht und Körpergefühl. Bergauf und bergab zu reiten trainiert Kraft und Geschicklichkeit, wobei die Steigung und die Bodenverhältnisse selbstverständlich zur Kondition und ggf. zur abgefragten Übung passen müssen.

 

 


Ausreiten mit Sinn und Verstand – worauf sollte man achten?

 

Der richtige Boden

 
 
Wichtig ist zunächst, die Bodenverhältnisse im Blick zu haben. Prinzipiell sind die meisten Böden im Wald und auf Wiesen geeignet, solange das Pferd nicht übermäßig rutscht. Ideal sind feste Wege, die dennoch leicht federn. Da man aber sicher nicht das Glück hat, ununterbrochen auf solchen Wegen reiten zu können, ist es selbstverständlich, das Tempo an die Bodenverhältnisse anzupassen. Waldwege mit vielen Wurzeln, grober Schotter, extrem harte Wege oder tiefe Matschwege sollten beispielsweise im Schritt passiert werden. Sehr harte Böden belasten die Gelenke, tiefe Böden sind auf Dauer eine hohe Belastung für die Sehnen, weil die Pferde einsinken. Das sollte man bedenken.
 
 
Andererseits ist ein vielseitiger und abwechslungsreicher Boden durchaus von Vorteil, denn er macht Pferde trittsicher. Und er hat noch einen Vorteil: Beim Reiten auf unterschiedlichen Untergründen trainiert und kräftigt das Pferd von selbst seine stabilisierende Tiefenmuskulatur. Diese reagiert in erster Linie reflektorisch, also durch Reflexe gesteuert. Durch das stetige Ausbalancieren wird sie permanent angesprochen – ganz ohne aktives Zutun des Reiters. Vor diesem Hintergrund kann man also sagen, dass sogar schon das Spezierengehen im Gelände einen gewissen Trainingseffekt haben kann. Ganz besonders für eher instabile oder gar hypermobile Pferde ist Geländetraining daher eine sinnvolle Ergänzung.
 
 

Bergauf und bergab

 
Einer der größten Trainingsvorteile im Gelände sind Steigung und Gefälle. Das Reiten bergauf und bergab trainiert Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit. Wer das Glück hat, in einer Region zu reiten, die diese Möglichkeiten bietet, sollte sie ausgiebig nutzen.
 
 

Beim Reiten bergauf muss die Hinter­hand des Pferdes stärker schieben. Das verbessert die Schubkraft. Ein positiver Nebenffekt: Meist merkt das Pferd schnell, dass das Senken von Kopf und Hals ihm dabei hilft, die Steigung zu bewältigen. Zugleich macht es natürlicherweise große, lange Schritte durch den ganzen Körper, ohne die es den Berg nämlich nur schwer hinauf käme. Dies alles sorgt für eine Dehnung bei positiver Körperspannung und lockert den Rücken. Pferde, die in der Bahn nur schwer „loslassen“ und sich ungern dehnen, können hiervon stark profitieren. Beim Reiten bergab dagegen muss das Pferd die Hinterbeine weiter unter den Körper setzen und die Schritte etwas verkürzen und zugleich Bauch und Rücken etwas mehr anspannen, damit es in der Balance bleibt. 

 

Kurz gefasst kann man sagen: Bergauf ist gut für die Verstärkungen, bergab unterstützt die Versammlung. 

 


Das Pferd muss grundsätzlich beim Bewältigen von Steigung und Gefälle seinen Körper besser kontrollieren und sich mehr anstrengen. Wer die Vorteile von hügeligem Gelände geschickt nutzt, kann seinem Pferd Lektionen, die besonders viel Schub- oder Tragkraft fordern, im Gelände leichter verständlich machen machen als auf dem Reitplatz.

 

Im Gangpferdebereich nutzt man dies oft zur Verbesserung des Tölts: Trabtölter tun sich oftmals bei leicht bergab geneigtem Boden leichter, während man Passverschiebungen meistens bergauf korrigieren kann (abhängig vom jeweiligen Grund der Taktschwierigkeiten kann dies aber im Einzelfall unterschiedlich sein). In „Die Gangpferdereitlehre – Trainingslehre zur Ausbildung von Gangpferden nach klassischen Grundsätzen“ von Kurt Pfannkuche und Marie Wendel heißt er ergänzend dazu: 

„So können ansteigende Wege genutzt werden, um vermehrt zum Treiben zu kommen oder die Aufrichtung des Pferdes zu verbessern. Ab- schüssige Wege mit griffigem Boden sind günstig, um eine freiere Vorhandaktion zu erzielen. Auf abschüssigem Gelände muss sorgsam auf das Gleichgewicht des Pferdes geachtet werden“

Beim Dressurtraining sind klassische Anwendungsbereiche das Erarbeiten von Verstärkungen, die sich bergauf hervorragend üben lassen, oder das Verbessern versammelnder Lektionen, die dann sinnvollerweise bergab abgefragt werden. 

 

Über Stock und Stein

 

Die Entwicklung der Muskulatur unserer Pferde ist von Bewegungsreizen abhängig. Das Überwinden von Bodenhindernissen (z.B. Äste oder umgefallene Bäume) ist deswegen zur Ausbildung der Muskulatur so hervorragend geeignet, weil es die Pferde zwingt, höher als gewöhnlich abzufußen, sich kraftvoll abzudrücken und entsprechend auch fester und bestimmter wieder aufzufußen. Alle vier Beine und die dazugehörigen Gelenke werden also vermehrt gebeugt und beansprucht.

Das dynamische An- und Abspannen der einzelnen Muskelgruppen kräftigt sämtliche für den Bewegungsvorgang wichtigen Muskeln und fördert gleichzeitig – wie bereits oben erwähnt – die Balance und das Körpergefühl (Stichwort: propriozeptives Training für Pferde). Die Arbeit über Bodenhindernisse empfehlen beispielsweise Reiner und Ingrid Klimke Auch das Überwinden von Bodenhindernissen im Schritt ist schon ein sehr gutes Training, das zugleich die Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit des Pferd fördert. Es ist gar nicht nötig, in schnelleren Gangarten über Bodenhindernisse zu reiten, um von den positiven Effekten zu profitieren (und sehr oft ist es auch aus Sicherheitsgründen besser, langsam und mit Bedacht über solche natürlichen Hindernisse zu reiten). 


Sicher unterwegs im Gelände: Voraussetzungen von Pferd und Reiter

Der Reiter

Um wirklich vom Nutzen des Geländes ­profitieren zu können, sollte der Reiter in allen Gangarten sicher auf dem Pferd sitzen und in der Lage sein, wirksam auf sein Pferd einzuwirken. Mit anderen Worten: Der Reiter muss in das Pferd kontrollieren können. Natürlich kann es immer zu Ausnahmesituationen kommen, in denen das Pferd z.B. scheut und der Reiter kurzfristig die Kontrolle verliert. Doch selbst dann muss der Reiter die Situation in kürzester Zeit überblicken und zielgerichtet reagieren können. 

 

Wer selbst noch nicht viel Erfahrung im Gelände hat, aber im Viereck schon gut reiten kann, sollte daher am besten auf einem sicheren Pferd und zusammen mit einem Trainer im Gelände Erfahrung sammeln. Auch ängstlichen Reitern oder solchen, die früher einmal schlechte Erfahrungen im Gelände gemacht haben, kann so eine Konstellation das Vertrauen in das Ausreiten (wieder) bringen.

 

Sinnvoll ist es, wenn der Reiter sein Pferd auf beiden Händen gleichmäßig gymnastizieren kann (insbesondere das sichere angaloppieren auf beiden Händen ist vorteilhaft), wenn das Pferd im Gelände nicht nur „irgendwie bewegt“, sondern sinnvoll trainiert werden soll. Denn gerade wer viel ­ausreiten will, sollte sein Pferd draußen so gymnastizieren können, dass es langfristig fit und gesund bleibt.

 

Das Pferd

 

Das Pferd kann und sollte am besten schon vor dem Anreiten ans Gelände gewöhnt werden, und zwar bei Spaziergängen oder, wenn es alt genug ist, gern als Handpferd an der Seite eines erfahrenen Reitpferdes. Im Idealfall lernt es hierbei auch schon alles mögliche kennen, das ihm im Gelände begegnen kann: Verschiedene Fahrzeugen und das Überqueren von Straßen und Brücken und möglichst auch Wasserdurchritte, es gewöhnt sich an Spaziergänger und Radfahrer, Kühe oder Schafe auf einer Weide, Vögel und Wild in Wald und Feld, flatternde Planen oder bellende Hunde,… Je mehr das Pferd bereits jetzt kennenlernt, um so besser! Pferde, die artgerecht auf der Weide aufgewachsen sind, kennen viele dieser Reize ohnehin schon und sind oft erstaunlich unerschrocken. 

 

Sobald es ans Reitergewicht gewöhnt ist, kann das junge Pferd zunächst als Handpferd (mit Reiter) weiterhin kurze Geländerunden gehen. Reagiert das Pferd auf die Reiterhilfen, kann es frei – zusammen mit dem erfahrenen Führpferd – durchs Gelände geritten werden. Zweckmäßigerweise sind die ersten Ausritte für das junge Pferd noch kurz (ca. 20 Minuten reichen völlig aus) und finden auf einer gewohnten Strecke statt, auf der nicht mit Überraschungen zu rechnen ist. Das alles findet immer in Begleitung des ruhigen Führpferdes und selbstverständlich unter einem erfahrenen Reiter statt. Zunächst reitet man die ganze Runde im Schritt, bald auch im Trab und nach einige Zeit kann man den Galopp hinzu nehmen. Dabei achtet man am besten darauf, die schnelleren Gangarten nicht zum Stall hin zu reiten, sondern am Anfang des Rittes, so dass das Pferd nicht lernt, in Richtung Heimat zu stürmen. Junge Pferde, die viel Energie haben, profitieren davon, am Anfang des Rittes bergauf gehen zu dürfen. So können sie ihre überschüssige Energie sinnvoll abbauen, ohne dass man sie allzu sehr zurückhalten muss. 

 

Umgekehrt tut man sich und dem jungen Pferd einen Gefallen, wenn man es bergab und am Ende des Rittes bei Bedarf lieber führt. Jungpferde ermüden schnell und ganz besonders das Ausbalancieren auf stark abschüssigen Strecken oder unebenem Boden strengt sie sehr an. Hier ist es für alle Beteiligten sicherer und angenehmer, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, ein Stück neben dem Pferd herzulaufen, bis es mental und körperlich in der Lage ist, diese Anstrengung auch mit Reiter zu meistern.

 

Langsam kann man dann die Anforderungen steigern und auch dressurmäßige Elemente in den Ausritt mit einbeziehen. Fast alles, was auf dem Reitplatz geübt wird, kann auch im Gelände abgefragt werden. Beispielsweise das Anhalten und Anreiten, Stillstehen sowie einfache Lenkübungen (z.B. Schlangenlinien von einer Wegseite zur anderen) sollten bei den Ausritten früh und oft geübt werden. Sobald das Pferd seitwärts treten kann, kann auch dies sehr gut im Gelände gefestigt werden usw. Im Mittelpunkt stehen immer viel Lob und häufige Pausen, um die Motivation des Pferdes zu erhalten. Zugleich steigert man nach und nach die Dauer des Rittes und den Schwierigkeitsgrad, ohne das Pferd aber zu überfordern. 

Auf diese Weise lernen Pferde sehr schnell, sich souverän im Gelände zu bewegen und das Ausreiten zu genießen. Schon nach kurzer Zeit hat man ein sicheres und mitdenkendes Geländepferd, mit dem das Ausreiten viel Freude macht. 

 

 


Die besten Übungen im Gelände

Gleichmäßiges Tempo reiten

Klingt eigentlich ganz einfach, ist aber ein tolles Training: Das gewählte Tempo konstant reiten, bergauf und bergab. Natürlich muss das Tempo passend gewählt sein und die Dauer muss der Kondition des Pferdes angepasst werden. Besonders effektiv ist das Reiten auf einer Wellenbahn. Der Wechsel aus bergauf und bergab fördert Tritt­sicherheit und Balance. Bergaufreiten trainiert die Schubkraft, bergab muss die Hinterhand mehr untersetzen und die Tragkraft wird gefördert. Die Zügel sollten in diesem Fall so lang gelassen werden, dass das Pferd seinen Hals als Balancierstange einsetzen kann. Das bewusste Reiten eines konstanten Tempos fördert zudem die Durchlässigkeit. Pferde, die zur Hektik neigen, profitieren oft von langen, eher ruhigen Reprisen in ein und demselben Tempo.

 

Tempounterschiede und Übergänge

Das genaue Gegenteil sind Tempounterschiede. Sie sind ein gutes Krafttraining. Frisches Zulegen und Einfangen auf Ebenen Strecken oder bergauf, versammeltes Traben (bis hin zu Piaffe-artigen Tritten) oder Tölten bergab, Übergänge zwischen den Gangarten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Beherrscht das Pferd die Piaffe, kann man sie am Hang verbessern. Bergauf geritten benötigt das Pferd mehr Kraft, bergab  verbessert sie das Untertreten und die Hankenbeugung.

Bei der Parade zum Halten beim Bergabreiten steht die Hinterhand etwas höher als die Vorhand, das veranlasst das Pferd beim Anhalten, die Hinterbeine weiter unter den Körper zu nehmen. So lernen Pferde leicht, dass sie geschlossen halten sollen, zudem wird die Hanke etwas stärker gebeugt.

Da viele Pferde im Gelände mehr Gehfreude haben, als im Viereck, kann man diese Motivation nutzen, um ausdrucksvolle Verstärkungen zu üben. Aber natürlich alles mit Maß und Ziel. Hektik sollte dabei nicht aufkommen. Ganze besonders für gemütliche Pferde eignet sich diese Übung, um die Freude an der Bewegung zu fördern.

 

Schlangenlinien, Volten und Seitengänge

Schlangenlinien oder Seitengänge von einer Wegseite zu anderen, Volten um Bäume oder verschieden große Kringel auf einer Wiese – das Gelände bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten. In Kombination mit Steigung und Gefälle wird daraus ein prima Workout! Das fördert Kraft und Koordination sowie die Akzeptanz der Hilfen. Je nach Übung kann das sehr anstrengend werden. Kurze, aber präzise gerittene Reprisen sollten sich deshalb mit Entspannungsphasen abwechseln.

Ingrid Klimke schreibt dazu in Reite zu Deiner Freude: Grundsätze meiner Pferdeausbildung: „Ich absolviere mein Dressurtraining sehr gerne auf dem Stoppelfeld oder reite einige Dressurlektionen am Berg. Beim Training im Gelände sollte aber immer auf die vorherrschende Bodenbeschaffenheit Rücksicht genommen werden,“ und ergänzt: „Ebenso wichtig ist die Abwechslung: Ständige Wiederholungen einer bestimmten Anforderung am Stück sollten möglichst vermieden werden. Dies führt auf Dauer nur zu Langeweile oder kann Stress aufbauen. Bauen Sie immer wieder auch abwechselnde Varianten mit ein und kehren Sie danach wieder zu der gewünschten Anforderung zurück.“

Viele Wege im Gelände eignen sich bestens zum Üben von Seitengängen. Zäune, Wegränder oder ­Hecken können als Begrenzung dienen, an der entlang z.B. Schulterherein oder Travers geritten wird. Das lässt sich beliebig lange fortsetzen – ganz ohne störende Ecken. Gerade auch in Trab oder Tölt eine tolle Übung für Pferde, die im Viereck gern mal den Schwung verlieren. Zickzack-Seitengänge lassen sich super auf breiten Wegen üben – einfach von einer Wegseite zur anderen reiten. Dabei ruhig mal den Grad der Abstellung variieren, also mal gezielt steiler, mal flacher reiten. 

Seitengänge an Gefälle oder Steigungen fördern die Balance. Zu steil sollte es aber nicht sein, da neben der größeren Kraftanstrengung ja auch noch die Beine gekreuzt werden müssen. Bergauf geritten fördert das Seitwärts die Kraft und trägt zu einem vermehrten „Schieben“ der Hinterbeine unter den Körper bei. Wer auf abfallender Strecke korrekt seitwärts reitet, schult die Versammlungsbereitschaft. Seitwärts reiten am Hang ist eine wahre Koordinations-Aufgabe für das Pferd. Deshalb auch hier wohldosiert reiten und immer an ausreichend Pausen denken!

 

Haltung variieren 

Wechsel öfters mal zwischen verschiedenen Haltungen. Erlaube also sowohl das komplette Strecken am langen Zügel, nimm dann auch mal wieder die Zügel etwas mehr auf und fordert mehr ­Untertreten, oder reite gezielt in Dehnungshaltung. Übe das langsame Aufnehmen und das sukzessive Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen über viele Meter in ruhigem Tempo im Gelände. So trainierst und lockerst du die Oberlinie deines Pferdes. 

 

Steilhang rauf und runter

An steilen Hängen müssen Pferde richtig klettern, was Gelenke, Muskeln und das aktive Mitdenken besonders fordert. Diese Übung eignet sich sehr gut für Pferde, die sich sonst schwer tun, den Rücken aufzuwölben, denn hier müssen sie es zwangsläufig tun. Dies empfiehlt beispielsweise auch Udo Bürger in „Der Reiter formt das Pferd: Tätigkeit und Entwicklung der Muskeln des Reitpferdes„.

Beim Klettern werden Pferde oft viel lockerer und lernen, wie angenehm es sein kann, den Rücken aufzuwölben. Bergauf und bergab sollte das Pferd immer ruhig gehen, nie hektisch oder eilig werden. Der Reiter sollte sein Pferd möglichst wenig stören, deshalb reitet man Steilhänge im leichten Sitz mit möglichst zurückhaltender Hilfegebung (Stichwort: Signalreiten).

Bergab ist es am besten, senkrecht zum Hang zu bleiben, denn wenn das Pferd zu schräg kommt, kann es den Halt verlieren und rutschen. Steilhangklettern ist sehr anstrengend, deshalb sollte es nicht mit einem bereits erschöpften oder gesundheitlich nicht dafür geeigneten Pferd geübt werden. Zudem genügen wenige Wiederholungen. Ganz wichtig ist es vor der Entscheidung für das Klettern, sich (wie immer) ein Bild über die Bodenbeschaffenheit zu machen, um Verletzungen zu vermeiden.

 

Klettern oder Sprünge über Geländehindernisse

Im Unterholz muss das Pferd, seine Füße ganz bewusst setzen, mitzudenken und sich gut ausbalancieren, während es zugleich die Beine stark anwinkeln muss. Baumstämme und Äste bis ca. 40 cm Höhe eignen sich perfekt, um sie im Schritt zu überwinden. Einzelne höhere Hindernisse geben gute Gymnastiksprünge ab. Aber nur, wenn der Boden griffig und stabil ist, sonst drohen Verletzungen! In privatem Gelände kann man auch Cavaletti-Strecken oder einen Gymnastik­parcours aufbauen. 

 

Sitzvariationen

Auch der Reiter darf aktiv werden: Wechsel im Gelände ab und zu mal zwischen leichtem Sitz, aussitzen und leichttraben. Beim Leichttraben kannst du variieren, und z.B. 2 x aussitzen – 1x aufstehen – 2 x aussitzen usw. (oder etwas schwieriger: 2 x stehen – 1 x sitzen – 2 x stehen usw.). Das schult deine Balance und Koordination. Reite auch mal mit übergeschlagenen Steigbügeln, einhändig, übe das Signalreiten, etc. und teste öfter mal, ob dein Pferd auch im leichten Sitz oder bei einhändiger Zügelführung die Lektionen sicher ausführt.

 

Am Hang rückwärtsrichten: Nur unter bestimmten Voraussetzungen

Vorab:

Bevor man über das Rückwärtsrichten am Hang nachdenkt, muss es auf der Geraden korrekt und flüssig, mit leichten Hilfen, ruhig und ohne Ausweichbewegungen klappen. 

Pferde bergauf rückwärts zu richten wird oft empfohlen, damit das Pferd vermehrt mit dem Becken abkippt, die Hinterhand winkelt und diese dadurch zugleich gestärkt und beweglich gemacht wird. Aber: Die überwiegende Anzahl an Pferden bringt nicht die körperlichen Voraussetzungen oder den richtigen Trainingszustand mit, um diese anspruchsvolle Übung korrekt auszuführen.

Viele Pferde, besonders im Gangpferdebereich, verfügen über eine (zu) steile Hinterhand, als dass sie diese entsprechend anwinkeln können. Oder sie können es eben nur nach einem systematischen, mehrjährigen Training. Zudem haben sehr, sehr viele Pferde schwache Bauchmuskeln und einen eher schwachen Rumpftrageapparat (das erkennt man an vielen Faktoren, die offensichtlichsten sind eine rückständige Vorhand, ein mehr oder weniger starker Hängebauch und ggf. auch die Tendenz zum Senkrücken).

Richtet man solche Pferde aber bergauf rückwärts, zwingt man sie zu Kompensationsbewegungen. Konkret: Man provoziert beim Pferd ein Auswichen der Hinterhand und ein Hohlkreuz, da die Pferde die nötige Muskelspannung und Kraft bei gleichzeitiger Biegung der Hanken nicht aufbringen können. Vielmehr „stemmen“ diese Pferde sich mit der Vorhand – bei durchhängendem Rücken – bergauf. Die Folge sind u.a. starke Fehlbelastungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des ISGs. Dass das Pferd nicht in der Lage ist, die Übung auszuführen oder sie sogar als schmerzhaft empfindet, merkt man daran, dass es sich entziehen will, nicht willig rückwärts treten will, mit der Hinterhand seitlich ausbricht oder dass der Bewegungsablauf „undrund“ und „hackelig“ wird.

Eine bessere Option für solche Pferde ist ein anderer Übungsaufbau: Das kontrollierte Rückwärtsrichten (leicht) bergab. Dadurch mobilisiert man die Lendenwirbelsäule und kann Pferde bei geschickter Ausführung dazu anregen, die Bauchmuskeln in positiver Weise anzuspannen und den Rücken aufzuwölben. 

 


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Die besten Übungen für ein fittes Pferd – Teil 1: Reiten auf gebogenen Linien

Die besten Übungen für ein fittes Pferd – Teil 2: Übergänge

Die besten Übungen für ein fittes Pferd – Teil 3: Langzügelarbeit und Arbeit an der Hand

 

 


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